Brustverkleinerungen bei Frauen – übernimmt das die gesetzliche Krankenkasse?

 

Die Brust ist für Frauen ein sensibles Thema, gilt sie doch in unserer Gesellschaft oft nach wie vor als eines der charakteristischen Merkmale für Attraktivität. Weil gerade die Größe hierbei oft eine Rolle spielt, ist ein übergroßer Busen bei Frauen ein nach wie vor stark verharmlostes Thema. Viele Frauen leiden jedoch an der Größe ihrer Oberweite, die Beschwerden reichen von starken Verspannungen an Schultern und Rücken über Atembeschwerden bis hin zu Taubheitsgefühlen in Händen und Beinen oder auch Haltungsschäden, um nur einige aufzuzählen. Der Wunsch nach einem erlösenden Eingriff, einer sogenannten Mammareduktionsplastik, wird von der gesetzlichen Versicherung daraufhin jedoch häufig als reine Eitelkeit abgetan und die Brustverkleinerung als „Schönheitsoperation“ angesehen. Leider wird dies auch von der Rechtsprechung der Sozialgerichte nach wie vor stark unterstützt. Das Problem hierbei ist häufig, dass keine Erkrankung der Brust selbst vorliegt, es sich also nur um eine mittelbare Behandlung handelt. Hierfür hat das Bundessozialgericht in einem Grundsatzurteil (BSGE 85, 56 (60)) die Notwendigkeit einer besonderen Rechtfertigung aufgestellt. Im Falle einer Brustverkleinerung ist hierfür demnach eine schwerwiegende Erkrankung der Wirbelsäule, die vorherige Ausschöpfung sämtlicher alternativer orthopädischer Methoden (Krankengymnastik etc.), sowie eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahme den gewünschten Behandlungserfolg bringt, erforderlich. Der Nachweis einer Wirbelsäulenbeschwerde ist jedoch leichter gesagt als getan: Hier weißt das Gericht gewöhnlich auf wissenschaftliche Studien hin, die belegen, dass ein Mehrgewicht der Brüste auch langfristig nicht zu einer Schädigung im Wirbelsäulenbereich führen kann. Besondere Schwierigkeiten, einen Zusammenhang von Rückenbeschwerden und einer großen Oberweite vor Gericht zu beweisen, haben adipöse Patientinnen. Hier wird generell auf eine Abhilfe durch Gewichtsreduktion verwiesen, was sich im Stadium der Adipositas bei bereits bestehenden Rückenbeschwerden jedoch schwierig gestalten sollte.

 

Leichter gestaltet sich die Angelegenheit nur, soweit tatsächlich eine Krankheit im Sinne des § 27 I 1 SBG V vorliegt, die nicht nur mittelbar, sondern unmittelbar eine Behandlung der Brüste notwendig macht. Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts ist dies der Fall, wenn der Versicherte in seinen Körperfunktionen beeinträchtigt wird oder die anatomische Abweichung der Brust entstellende Wirkung hat. Als Funktionsbeeinträchtigungen kommen hier vor allem Entzündungen der Haut unter den Brüsten in Betracht. So würde eine therapieresistente und seit mehr als einem Jahr vorliegende Hautentzündung in der Unterbrustfalte eine operative Brustverkleinerung indizieren. Eine Entstellung ist wiederum nur unter engen Voraussetzungen anzunehmen. Verlangt wird eine erhebliche Auffälligkeit. Ausschlaggebend hierbei sind vor allem die Reaktionen im Alltag, also inwieweit die Betroffene Blicke und Beachtung auf sich zieht und ob dies langfristig zu einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und zur Vereinsamung führen würde. Dies wird vor allem bei einer erheblichen Disproportion zwischen Figur, Körperbau und Brustgröße angenommen.

 

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Chancen auf eine Kostenübernahme einer Mammareduktionsplastik durch die gesetzliche Krankenversicherung nach wie vor sehr niedrig einzuschätzen sind. Reine Verspannungen an Schultern und Rücken werden für eine Erstattung kaum ausreichen und der Beweis einer schwerwiegenden Erkrankung der Wirbelsäule wird, wie oben erläutert, regelmäßig schwerfallen. Etwas besser stehen die Erfolgsaussichten nur, wenn die Brustverkleinerung eine unmittelbare Behandlung darstellt, wie etwa bei einer Entzündung des oben angeführten Ausmaßes.

 

Unabhängig davon, warum Sie über eine Brustverkleinerung nachdenken, im Falle einer Auseinandersetzung mit Ihrer Versicherung bezüglich der Kostenübernahme sind Sie bei uns in guten Händen. Unsere Spezialistin für Medizin- und Sozialrecht, Frau Rechtsanwältin Böhm-Rößler, wird sich Ihres Problems annehmen und für Sie das bestmögliche Ergebnis aushandeln. Keine Frau sollte mit erheblichen Beschwerden durch ihre große Brust leben müssen, nur weil sich die Krankenkasse weigert die Kosten für diese vermeintliche „Schönheitsoperation“ zu übernehmen. Mit uns haben Sie einen kompetenten und starken Partner an Ihrer Seite, der sich für Ihr Recht auf ein unbeschwertes und schmerzfreies Leben stark macht.

 

 

(Autor: Maximilian Dürr)

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